Erinnerungskulturen

Muri im Mittelalter

Projektleitung: Prof. Dr. Martina Stercken / Prof. Dr. Claudia Zey

Projektmitarbeiter/in: Dr. Bettina Schöller, Matthias Meier, M.A., SNF, Historisches Seminar, Universität Zürich

Das Projekt befasst sich am Beispiel des Klosters Muri mit Erinnerungskulturen des Mittel­alters. Ausgehend von einem Ort, der seit 1027 dem Gedächtnis der Habsburger gewidmet ist, sollen Akteure und Praktiken untersucht werden, die das Gedenken an die Klostergrün­dung etabliert haben. Das Interesse gilt weniger einer einzelnen Gruppe und der Inszenie­rung von Gedächtnis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mit den memorialen Leistungen der benediktinischen Klostergemeinschaft vor Ort, der beeinflussenden (Reform-)Klöster, der Habsburger sowie der Eidgenossen wird vielmehr die Erinnerung unterschiedlicher, mit Muri verbundener Gruppierungen in den Blick genommen und in den grösseren Zusam­menhang politischer Interessen an der Region gestellt. Indem diese für einen langen Zeit­raum untersucht werden, der vom 11. Jahrhundert bis zum Beginn der Neuzeit reicht, wird es zugleich möglich, Konjunkturen und Strategien memorialer Praktiken zu beschreiben und damit die jeweils zeitspezifischen Bedingungen, Kontinuitäten und Brüche von Erinnerungs­kultur zu akzentuieren.
 

Teilprojekt 1:

Erinnern und Vergessen. Das Kloster Muri und die Habsburger im Mittelalter (Dr. Bettina Schöller)

Das Projekt befasst sich mit der Rolle Muris als Grablege und Erinnerungsort der Habsburger im Mittelalter. Untersucht werden die Kontinuitäten, aber auch die Brüche in der Verbindung zwischen Kloster und Adelsgeschlecht.

Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Stellung eines Klosters als Ort der generationenübergreifenden familiären Erinnerung kaum gesichert war. Als Gründe dafür gelten das schwach ausgeprägte historische Bewusstsein der mittelalterlichen Gesellschaft sowie der stetige Wandel politischer und familiärer Konstellationen. Auch in der Geschichte der Verbindung Muris mit den Habsburgern sind die Brüche offensichtlicher als die Kontinuitäten: Der Aufstieg der Habsburger zum Königsgeschlecht, die Gründung neuer Klöster, die Verlagerung des Herrschaftsschwerpunkts nach Osten sowie Zwistigkeiten innerhalb der Familie führten zu einem Bedeutungsverlust Muris als zentraler Ort der habsburgischen Erinnerung.

Dennoch bestand die Verbindung zu den Habsburgern weiter: Von der Gründung um 1027 bis um 1500 lassen sich eigentliche Konjunkturen des Erinnerns fassen, Momente der gezielten Aktivierung und Instrumentalisierung gegenseitiger Erinnerung. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Fragen nach den jeweiligen Akteuren, nach dem historischen Kontext sowie nach den Formen und Möglichkeiten der Erinnerungsbildung.
 

Teilprojekt 2 (SNF):

Muri im reformklösterlichen und kirchenpolitischen Umfeld des 11. und 12. Jahrhunderts (Matthias Meier, M.A.)