Zeitkapsel geborgen und entschlüsselt
Zunächst in einem Pilotprojekt, nun in einer dreijährigen Hauptstudie befasst sich ein Team der Universität Zürich unter der Leitung der Professorinnen Monika Dommann und Marietta Meier mit sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Hauptstudie wird noch im laufenden Jahr fertiggestellt und ab Februar 2027 für die Öffentlichkeit zugänglich sein. In der Klostergeschichtsforschung werden die Ergebnisse mit grossem Interesse erwartet.
Orden im Fokus
«Ziel ist es, die Klostergeschichte in ihrer ganzen Dimension darzustellen», sagte der damalige Abt von Muri, Benno Malfèr, anlässlich der Vernissage der ersten Publikationen aus dem Projekt Geschichte Kloster Muri im Jahr 2015. Diese Idee, deren Umsetzung in einem Jahr mit vier Bänden vorliegen wird, stammte von ihm. Sie stiess Mitte der Nuller-Jahre in Muri auf offene Ohren von tatkräftigen Menschen wie dem damals frisch pensionierten Bezirksschullehrer Peter Hägler und dem im kulturellen Vereinswesen aktiven Martin Allemann.
Ein ehrgeiziger Abt bringt Muri im 17. Jahrhundert zu Glanz und Macht. Mit Umbauten am Kloster will er mehr weltliche Macht erlangen.
Sie ist ein architektonisches Wunderwerk und für viele der schönste Zentralraum der Schweiz: die Klosterkirche Muri. Ihr spiritus rector war Abt Plazidus Zurlauben, der 39 Jahre lang dem Kloster Muri vorstand. Bis heute lässt sich über den Bau mit seinen rund 20 Metern Durchmesser und seiner reich stuckierten Innenausstattung nur staunen.
Feierliche Vernissage der nächsten beiden Murensia-Monografien
Eine neue Studie gibt Einblick in das Leben und die Identität von Nonnen und Mönchen.
«Ledig bleiben», «heiraten» und «ins Kloster eintreten» – so präsentierten sich die Lebensperspektiven für eine Schülerin einer katholischen Schule Mitte des 20. Jahrhunderts. Was damals noch eine verbreitete Option darstellte, ist heute in der Schweiz zu einer Seltenheit geworden: das Ordensleben. Heute leben in Schweizer Benediktinerklöstern noch etwa 200 Mönche und Nonnen. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele. Trotz dieser Abnahme: Die monastische Lebensform hat eine lange Tradition und reicht in unseren Breitengraden bis ins frühe Mittelalter zurück.
Vor 278 Jahren fanden sich Tausenden in Muri ein, um einem spektakulären Schauspiel beizuwohnen